Die Via Alta Crio ist ein faszinierender Höhenweg im Tessin für erfahrene, gut vorbereitete Wanderer. Sie lässt sich am Stück oder in mehreren Teilstrecken begehen. Ich plane mittels KI diese 10 Tagestour als UltraTrail Unsupported in 42 Stunden. Das sind 108.8 km · +9978 m / −8275 m
KI generierte interaktive Routenkarte Via Alta Crio, 108.8 km von Tessin nach Berner Oberland.
Als Trail auf über dreitausend Meter von Süden nach Norden!
Der Wunsch, diese Tour als UltraTrail zu machen war im 2023 geboren. In diesem Sommer machte ich wieder mal eine längere Tour wilde Tour von San Bernardino zum Albula via dell’amicizia und am nächsten Tag die Alta Val Carassino. Tourenbericht unter: https://www.hikr.org/tour/post180918.html
Einen Teil der Via Alto Crio machte ich somit, dieser Abschnitt war gerade neu erstellt worden mit den Markierungen. So habe ich mich über diese Toure Informiert. Die offizielle Webseite gibt einen tollen überblick. --> https://www.viacrio.ch
Immer wieder einmal mache ich solche Monstertouren. Wie zb:
- Leistchamm - Gonzen ... und noch ein paar dazwischen
- VAV+
- Calanda +
- Vom Ybrig nach Pizol
- Brienzergrat+
- Alpstein +
Die längste war die Ybrig nach Pizol mit allen Gipfel dazwischen. Das war mehr als 8000hm rauf und runter vom Ybrig nach Pizol in 48h non stop.
Es gibt keine intensiveren Eindrücke als diejenigen die wir an der Grenze unserer Möglichkeiten gewinnen.
Die Planung
Die KI (Claude sonnet 4.6) benutze ich für die Planung dieser Tour.
Als erstes gab ich der KI die benötigten Infos der Tour. Also Ort, Länge und ungefähres Datum. Bei Strava exportierte ich all meine aktuellen 1814 Aktivitäten und lade diese hoch zur Analyse. Nach ein paar Einzelheiten wie meiner aktuelle Fitness, inBody Daten, Zeitliche Trainingsmöglichkeiten, Verletzungen und der Info, das ich diese Tour an einem Stück machen möchte, ergaben sich schon klarere Vorschläge. Diese habe ich noch verfeinert, indem ich der KI meine schon gemachten Monstertouren als GPS-Track zur Analysezwecke bereit gestellt habe. Den geplanten Track lud ich ebenfalls hoch.
Als Antwort war: Deine Stärken sind beeindruckend: Ein Phasenwinkel von 7.4° liegt auf Profiniveau, und die 37.9 kg Skelettmuskeln kombiniert mit nur 8.5% Körperfett sind eine ideale Basis. Die 37 Ski-Einheiten im Winter haben dir eine solide aerobe Kapazität erhalten. Das grösste Risiko ist nicht deine Fitness, sondern der aggressive Sprung von derzeit ~20–25 km/Woche auf die benötigten 70–75 km/Woche – das muss diszipliniert und verletzungsfrei aufgebaut werden.

Die KI erstellt mir einen Trainingsplan und Ernährungstipps. Nach kleineren Anpassungen bekam ich eine präzise Timing-Karte — basierend auf meinen realen Pace-Signaturen. Eine Risikoanalyse, Packliste und eine Startzeit-Analyse aufgrund den alpinen Schlüsselstellen bei dieser T5-T6 Tour. Die dunkelblauen Nachtabschnitte in der interaktive Routenkarte (Nacht 1: km 23–39, Nacht 2: km 69–84) liegen nun auf moderaterem Terrain unter 2830 m.
Die Vorbereitung
Der Trainingsplan wurde erstellt. Die Packliste angepasst. Diese werde ich kurz vor der Tour noch optimieren.

Der Trainingsplan als 11-Wochen-Plan wurde finalisiert, aufgrund meinen Wünschen und Abwesenheiten.

Jetzt heisst es Trainieren und die Beine stärken 🙂
Mittlerweile konnte ich mittels MCP Strava und meinen Kalender verbinden. So hat inzwischen die KI direkten Live-Zugriff. Jede Woche gibt es eine Zusammenfassung von meinem Training und die KI trägt diese direkt im Kalender ein.
Doch bei aller Effizienz der KI:
- Ein Algorithmus ersetzt kein bewusster Risikoentscheid.
- Er kann planen, aber nicht begeistern.
- Er kann erinnern, aber nicht inspirieren.
- Er kann sich auch mal irren oder haluzionieren.
Was KI zu der Durchführung meint:
Ja, ich denke du schaffst das.
Das sage ich nicht leichtfertig — es ist das erste Mal in diesem ganzen Planungsprozess, dass alle vier Faktoren gleichzeitig passen: Wetter, Fitness, validiertes Tempo und Erfahrung.
Das Wetter ist an allen drei geprüften Punkten (Talstart, Adula-Kammzone, Lucomagno) aussergewöhnlich stabil — Sa 30.8. bis So 6.9. durchgehend unter 20%, teils 0%. Das gab es bei keinem der vorherigen Anläufe.
Der Fuss scheint durch zu sein. Seit der Prellung im Juni keine erneute Meldung — trotz mehrerer harter Tage dazwischen (Idra, Tschuggen/Gonzen 1700hm, und jetzt der Falknis).
Deine Reaktivierung am 27. August war sogar besser als geplant — statt der vorgesehenen 10-12km/500-600hm bist du auf den Falknis: eine echte T5-Alpintour mit 1700hm, Relative Effort 84. Das ist kein reiner Konditionstest, sondern echtes exponiertes Gelände — genau die Art Belastung, die für die VAC zählt.
Und du hast das im Kern schon einmal gemacht. Deine VAV-Solo-Tour 2018 (56.8km, 33.7h, unsupported) ist strukturell fast identisch zu dem, was jetzt ansteht — kein Sprung ins Unbekannte.
Was ich nicht beschönigen will: Etappe 6 (Cassimoi/Cassinello) fällt weiterhin in die Nacht, und anders als bei E4 kennst du dieses Gelände nicht. Die kurze Pause an der Adula-Hütte davor bleibt sinnvoll. Und die eigentliche Unbekannte ist nicht die Technik, sondern die zweite Nachthälfte — das ist bei jedem langen Ultra der Punkt, wo Entscheidungen schwerer fallen. Leg dir vorher klare Kriterien fest, wann du eine Pause erzwingst oder abbrichst, statt das im Moment zu entscheiden.
Die Durchführung
Geplant ist Ende August 2026. Vom Wetter her war es entweder zu heiss oder zu gewittrig. Neu sieht das Wetterfenster für den 03. September gut aus. Am Mittwochnachmittag ins Tessin und hoch zur Capanna Brogoldone. Am Donnerstag um 07:00 wäre der Start. Der Start von der Capanna Brogoldone war ein guter Kompromiss wegen der vielen T6‑Stellen in der Nacht. KI hat mir diesen Vorschlag gemacht.
Let's go

Am Mittwoch gemütlich hoch zur Brogoldone Hütte. Start wie erwähnt am 03. September 2026 um 07:00 Uhr.
Geschlafen habe ich nicht sonderlich gut in der Hütte, das lag weniger an der sehr freundlich geführten Hütte, mehr an meiner Aufregung. Der erste Gipfel des Pizzo di Claro über den alpinen Südgrat wurde schnell erreicht. Der Weg zur ersten Hütte hat sich hingezogen. Es gab kaum Stellen, wo man rennen konnte. Alle Blockgelände oder einfach zu steil zum schnellen Laufen. 2.5h später bin ich bei der Capanna Cava angekommen. Die KI hat anscheinend der Pizzo die Claro Gipfel ausgelassen. 🙂
Etwas Kurzes gegessen (Wurst, Käse, Brot) bei der Capanna Cava bevor es weiterging zur Alpa di Grümla. Eingetroffen bin ich dort um 17:10 Uhr. Viel später als geplant. Wasser auffüllen und weiter ging es. Mein Magen machte sich bemerkbar. Ich konnte kaum etwas essen. Immer wieder ist es mir aufgestossen und ein Magenbrennen. Einen Gel habe ich noch geschafft, danach ging nichts mehr. Der Aufstieg von der dritten Hütte zum Piz di Strega war zäh. Das Abendlicht genoss ich auf dem Gipfel. Ich wusste aber, dass es noch ein langer Weg zum Bivacco Piano della Parete sein wird. Speziell der lange und sehr steile Aufstieg zum ersten 3000er in der Nacht war anspruchsvoll. Im Bivacco habe ich 2.5h Pause mit 30min Schlafpause gemacht. Danach entschied ich mich, weiterzulaufen, wenn auch geschwächt. Diese lange Etappe kannte ich schon, aber bei der Quartnei Hütte habe ich mich entschieden, die Tour abzubrechen.
Es sollte aber noch ein ganz langer Abstieg werden, der zeitlich sogar noch knapp wurde. Die letzte Gondel war um 18:00 Uhr, so hiess es, sehr zügig bis nach Dègro zu laufen.
Keine Nahrung = keine Leistung
Der eigentliche Fehler — lag nicht im Rennen, sondern in der Vorbereitung
"Keine Nahrung = keine Leistung" trifft es, aber die Ursache liegt tiefer: Ich habe nicht einfach "zu wenig dabei gehabt" — ich konntest nachts nichts mehr essen. Das ist ein GI-Toleranz-Problem, kein Mengenproblem.
Die KI meint: Relative Effort 484 — ein aussergewöhnlich hoher Wert. Das Tempo lag bei 2.17 km/h, rund 28% langsamer als dein validiertes Solo-Tempo (~3.0 km/h). Auffällig: Moving-Zeit und Elapsed-Zeit sind fast identisch – du hast kaum offizielle Pausen gemacht, sondern dich durchgekämpft, statt früher zu stoppen. Gesamt war es nun 69.34 km und 5707hm in 30h
Danach die 2.5h Schlafpause in der Hütte und der Ausstieg über Serravalle ins Val Mesolcina — das war die richtige Entscheidung, nicht der Fehler. 67% einer der technisch anspruchsvollsten Ultra-Routen der Schweiz zu schaffen, bevor eine reine Energieversorgungs-Krise zum Abbruch zwang, ist kein Scheitern der Fitness oder Route – es ist ein Ernährungsproblem.
Nachtrag 22. September 2026
Zweiter Teil der Via alta Crio
Am Montag 21.09 habe ich den letzten noch offenen Teil erfolgreich absolviert.
Gesamt bin ich 64.6 km / +5715 Hm in 25.2h unterwegs gewesen (Moving ≈ Elapsed, also kaum built-in Pausen registriert) — das ist gut 6 Stunden mehr als die KI geplant hat 19.3h für die ganze Strecke.
Etappe 6 mit Cassimoi/Cassinello ist T6 — echtes Klettergelände auf einem exponierten Grat über zwei Dreitausender. Dort bestimmt nicht meine Fitness das Tempo, sondern Technik, Vorsicht und Routenfindung. Die KI hatte wieder für diesen ganzen Abschnitt denselben Tempofaktor (0.57) verwendet wie für den Rest der Route.

Am Montagmorgen machte ich mich direkt auf den Weg nach Dangjo. Gestartet bin ich um 09:40 Uhr und stieg hoch zur Capanna Adula UTOE (via CAS). Leider war diese nicht besetzt. Suppe konnte ich mir dennoch selbst machen. Dieses Mal war ich besser vorbereitet zur Nahrungsaufnahme. Die erste Etappe war die schwierigste. Lange Passagen, luftig und steil. Klassisch T6. Im Rifugio Scaradra noch einmal Suppe serviert bekommen von nettem Berggänger. Bei der Capanna Motterascio war es schon nach 21:00 Uhr und ich zog gleich weiter. Starker, kalter und bissiger Wind zog durch die ganze Greinaebene. Bei der Capanna Scaletta legte ich mich in die Essstube und versuchte zu schlafen. Somit eine Pause von gut 2h. Weiter in der Nacht um 02:00 Uhr stieg ich die langen Höhenmeter ab und weiter hoch zum Sasso Lanzone. Die ganze Zeit kalter Wind. Die letzte Hütte erreichte ich am Morgen um 07:30. Mir wurde gesagt, da ich der Zweite bin, der diese Tour in dieser Zeit geschafft hat. Ende der Tour beim Lukanierpass mit feinem Schnitzel und Pommes.
Bilder vom ersten Teil am 03 September
Bilder vom zweiten Teil am 21. September.
Link zum ersten Teil der Tour:
https://connect.garmin.com/app/epic/d6417c8c-1274-4d04-b7ba-044a211b74d9
Link zum zweiten Teil der Tour:
https://connect.garmin.com/embed/activity/24453074089
Und jetzt?
Die Projekt gehen nie aus. Es gibt ja noch viele weitere...
Meine Bergprojekte findest du unter: Niki's Projekte





























Sehr spannend, vor allem die Vorbereitung mit KI. Pizzo di Claro ist nicht der Teil von der Ettape 1 der VAC 🙂
Deswegen auch die zusätzlichen 2.5h die mir ebenfalls gefehlt haben. Aber der Pizzo di Claro gehört nach meiner sicher dazu, liegt ja auch auf dem Weg 😉
Das hättest du KI auch vermittlen sollen…